Projekthintergrund
Krisenfitte Kommunalverwaltungen – Strategien und Instrumente zur Vorbereitung auf multiple Lagen (KRISENFIT)
Die Anforderungen an das kommunale Krisenmanagement haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen – nicht zuletzt durch Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie oder die Hochwasser- und Starkregenereignisse in Westdeutschland 2021. Kommunalverwaltungen stehen dabei im Zentrum der Krisenbewältigung und agieren in komplexen Netzwerken aus Verwaltung, Sicherheitsbehörden und zivilgesellschaftlichen Akteuren. Effektives Handeln erfordert belastbare Strukturen, transparente Zuständigkeiten sowie funktionierende Koordinations- und Kommunikationsprozesse.
Das Projekt KRISENFIT adressiert diese Herausforderungen, indem es Kommunen dabei unterstützt, ihre Ressourcen, Fähigkeiten und bestehenden Strukturen systematisch zu erfassen und weiterzuentwickeln. Im Zentrum steht dabei das Verständnis von „Krisenfitness“ als Kombination aus leistungsfähigem Krisenmanagement und organisationaler Resilienz.
Im Fokus stehen die Analyse von Schnittstellen, die Stärkung kooperativer Ansätze sowie die Entwicklung praxisnaher Strategien zur Verbesserung der Krisenfitness. Ein zentrales Ergebnis ist ein Krisenfitness-Selbstevaluationstool, das es Kommunalverwaltungen ermöglicht, ihre Leistungsfähigkeit im Krisenmanagemetn zu reflektieren und gezielt weiterzuentwickeln.
Leitend ist die Forschungsfrage: Wie fit sind kommunale Verwaltungen im Hinblick auf die Bewältigung komplexer Lagen – und wie lässt sich ihre Krisenfitness nachhaltig steigern?
Ziel ist es, kommunale Verwaltungen langfristig widerstandsfähiger zu machen und ihre Handlungsfähigkeit in dynamischen Krisenszenarien zu sichern.
Arbeitsprogramm
Das Vorhaben gliedert sich in fünf Arbeitspakete (AP), die inhaltlich bei den kommunalen Anforderungen und Sichtweisen ansetzen und sich hinsichtlich der betrachteten Perspektiven und der räumlichen Breite erweitern. Damit wird sichergestellt, dass die zentralen Forschungsfragen zur kommunalen Krisenfitness entlang realistischer kommunaler Bedarfe fokussiert werden sowie praktikablen Möglichkeiten zur Erhaltung und Erhöhung dieser Krisenfitness nachgegangen wird.
Arbeitspaket 1 – Szenarienanalyse und Resilienzbewertung: Grundlagen für eine realistische Selbsteinschätzung
Die Erhebung des Ist-Zustandes der kommunalen Resilienz und des kommunalen Krisenmanagements auf Basis der eigenen Beurteilungen der Modellkommunen liefert erste Einschätzungen der gegenwärtigen Krisenfitness. Das Arbeitspaket sieht die Erarbeitung eines Szenarienkatalogs inkl. kommunaler Priorisierungen anhand einer Szenarienanalyse und der anschließenden Resilienzbewertung vor.
Arbeitspaket 2 – Schnittstellen und Kooperation: Zusammenarbeit von Verwaltungen und dem externen kommunalen Netzwerk
In AP 2 werden die Erwartungen und Anforderungen an das kommunale Krisenmanagement sowie die Fremdwahrnehmung der Kommune als untere Katastrophenschutzbehörde anhand verschiedener Stakeholder der Modellkommunen ermittelt: Verwaltungen auf Landes- und Bundesebene, Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), regionale Unternehmen und kritische Infrastrukturen (KRITIS), zivilgesellschaftliche Anspruchsgruppen wie z. B. betroffene Bevölkerung und Spontanhelfende. Es folgt die Visualisierung des internen und externen kommunalen Netzwerks anhand einer Netzwerkanalyse.
Arbeitspaket 3 – Resilienz im Fokus: Entwicklung eines Selbstevaluationstools für kommunale Krisenfitness
Die Modellkommunen werden einer vergleichenden Analyse im Hinblick auf Stärken, Schwächen, Schnittmengen, Grenzen und Unterschiede im kommunalen Krisenmanagement unterzogen. Ziel ist die Entwicklung eines modular aufgebauten, excelbasierten Selbstevaluationstools (SET) für die Messung der Krisenfitness, welche anhand von festgelegten Indikatoren und Messspektren erfolgt.
Arbeitspaket 4 – Wissenserhalt und Kompetenzentwicklung: Konzepte für den langfristigen Fähigkeitserhalt von kommunalen Verwaltungen
Das AP 4 sieht die Entwicklung von Angeboten für die Erhaltung und Steigerung der kommunalen Krisenfitness vor. Die Erarbeitung didaktischer und pädagogischer Konzepte zum Wissenserhalt dient der Entwicklung von Kompetenzen für den Fähigkeitserhalt von kommunalen Verwaltungen sowie zur Stärkung der Kommunalverwaltung als Krisenmanagerin und KRITIS. Ziel ist es, Handlungsempfehlungen zu Bildungsbausteinen mit konkretem Bezug zum SET und Empfehlungen zur Erhöhung/Erhaltung des Krisenfitnesslevels festzulegen.
Arbeitspaket 5 – Brücken bauen: Wissenstransfer und Kooperation zwischen kommunalen Verwaltungen und externen Akteuren für eine gestärkte Krisenfitness
AP 5 dient dem kontinuierlichen Ergebnistransfer zwischen Wissenschaft und Praxis und wird insbesondere dazu genutzt, das SET sowie die zugehörigen Leitfäden und Bausteine bundesweit in Kommunen zu streuen, z. B. durch Multiplikator*innen-Workshops, einer Webinarreihe und einer Fachkonferenz.